Bertolt Brect/ به مناسبت پنجاهمین سالگرد مرگ برتولت برشت
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Bertolt Brecht / Ölfarbe / 35 cm x 50 cm
Günter Grass spricht zum 50. Todestag von Bertolt Brecht
Hamburg. SDA/baz. Günter Grass ist von der ungebrochenen Bedeutung des literarischen Werks von Bertolt Brecht überzeugt. Kritisch beurteilt er dagegen Brechts Verhalten in der Emigration in den USA und später in der DDR.
«Mit seinen Dramen, theatertheoretischen Schriften und Gedichten hat Brecht eines der ganz grossen Werke des 20. Jahrhunderts geschaffen», sagte der Literatur-Nobelpreisträger in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA anlässlich des 50. Todestags des Autors (1898-1956) am Montag.
«Gerade das lyrische Werk ist so umfassend, facettenreich und grossartig. Es ist nur mit der Bildungsmisere zu erklären, dass man darüber oft hinweggeht.»
Kein «Schulfunk»
«Über Brecht heute die Nase zu rümpfen, scheint Mode zu sein», sagte Grass, der noch in den 1950er Jahren als Kunststudent in Berlin politische Diskussionsrunden mit Brecht miterlebt und Inszenierungen des legendären Berliner Ensembles gesehen hatte. Insbesondere in den 1960/70er Jahren habe es einen Brecht-Kult gegeben, «damals war er sakrosankt.
Den Pendelschlägen der Zeit folgend, befindet man sich jetzt in einem Wellental.» Manche Dramen wie «Mutter Courage» oder das «Leben des Galilei» würden heute als «Schulfunk» abgetan. «Dabei sind es wunderbare Theaterstücke. Bis auf die «Dreigroschenoper» werden seine Stücke kaum mehr gespielt, was ich für einen horrenden Fehler halte», sagte Grass.
Verwandtschaft Galilei-Brecht
Besonders das «Leben des Galilei» sei «eine bis heute gültige Parabel über Zwangssituationen eines Intellektuellen, der, um seine Lehre zu schützen, sich den Mächten anpasst, sich kompromittieren lässt zum opportunistischen Verhalten».
Das sei im Grunde eine Lage, in der sich später auch Brecht befunden habe, so Grass mit Blick auf die Zeit Brechts in der DDR. «Ich begreife nicht, warum das Stück so selten gespielt wird, es gehört permanent auf die Spielpläne».
Das politische Verhalten Brechts beurteilte Grass kritisch. In Moskau habe sich Brecht nicht nach dem Schicksal von Intellektuellen erkundigt, die Opfer stalinistischer Säuberungsprozesse wurden. Und 1947 in den USA vor dem McCarthy- Ausschuss, als ihm kommunistische Betätigung vorgehalten wurde, habe er sich rein opportunistisch geäussert.
Arbeiteraufstand
Auch beim Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 in der DDR habe Brecht, statt Solidarität mit den Aufständischen zu üben, seine Probenarbeit fortgesetzt. Er gab «eine zweideutige Solidaritätserklärung an die SED» ab.
«Brecht hat später in den «Buckower Elegien», seine eigene zweifelhafte Rolle in dem Zusammenhang reflektiert. Das sind wunderbare Gedichte», sagte Grass.
Grass' eigenes Trauerspiel «Die Plebejer proben den Aufstand» - 1966 in Berlin uraufgeführt - sei damals zu Unrecht als Anti-Brecht- Stück diffamiert worden. Es beschreibe das Scheitern eines deutschen Arbeiteraufstandes, der führungslos war und der unter anderem auch daran scheiterte, dass die Intellektuellen sich nicht auf die Seite der Arbeiter stellten.
«Es ist der Hochmut der Intellektuellen, den ich in dem Stück schildere; der spontane Arbeiteraufstand entsprach nicht ihren theoretischen Vorgaben.»
Der Ignoranz zum Opfer gefallen
«Brechts Werk hat auf jeden Fall Bestand, jedenfalls wenn wir die Kulturnation sind, die wir vorgeben zu sein» resümierte der Nobelpreisträger. Allerdings bezweifle er das. Grosse Autoren wie Jean Paul oder Christoph Martin Wieland seien ebenfalls der Ignoranz zum Ofer gefallen und vergessen gegangen.